Rückblickend ist es fast beschämend. Klar, ein 4-tägiges Talentprogramm mit 70 Teilnehmern aus elf asiatischen Städten in Indien durchzuführen ist kein Pappenstil. Während den Vorbereitungen habe ich von vielen Seiten wenig schmeichelhaftes rund um die Zusammenarbeit mit Indern gehört. Mit gemischten Gefühlen und einigen Vorurteilen bin ich dorthin gereist…

Nun ja, kein einziges der Vorurteile hat sich bestätigt. Ich habe mich auf Chaos, schlechte Kommunikation und Unzuverlässigkeit eingestellt. Doch es klappte alles wie ein perfektes Uhrwerk. Besser, als ich es oft in der Schweiz, Deutschland oder Österreich erlebe. Das alles mit einer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mehr als 5 Sterne verdienen. Logisch war der Arbeitstil ganz anders. Für eine Aufgabe steht jeweils eine halbe Armee an Leuten zur Verfügung, wobei zwei wirklich arbeiten und die anderen rumstehen. Bezogen auf Effizienz und Effektivität nicht ganz meine Welt. Doch bei 1.3 Milliarden Menschen sind die Möglichkeiten halt anders. So oder so, meine Anforderungen und Wünsche wurden auf den Punkt genau geliefert.

Im Süden von Indien wurde mir gesagt, dass ich mich später in Delhi in acht nehmen soll, denn die Menschen dort seien unfreundlich, hinterlistig und gar gefährlich. Leicht besorgt reiste ich ein paar Tage später in die Hauptstadt. Einmal mehr habe ich völlig andere Erfahrungen gemacht. Ich bin überaus freundlichen und zuvorkommenden Menschen begegnet. Später habe ich erfahren, dass zwischen Mumbai und Delhi eine Rivalität herrscht. Etwa so wie zwischen Basel und Zürich oder Düsseldorf und Köln. Vorurteile sind halt eine universelle Sache, was es nicht zwingend besser macht.

Indien verlasse ich als Botschafter, denn ich kann nur das weitergeben, was ich am eigenen Leib erfahren habe. Pessimisten (die sich selber natürlich als Realisten bezeichnen) würden jetzt gute Gründe aufzeichnen, warum mein Urteil nicht repräsentativ ist. “Du hast halt einfach Glück gehabt”, hörte ich schon einige sagen. Dabei ist es schon spannend, dass keiner von ihnen dort ein ähnliches Projekt durchgeführt hat und ihre Aussage in erster Linie vom Hörensagen stammen. Willkommen in der Welt der Vorurteile.

Übrigens: Ich werde in Zukunft vermehrt VOR (DEM) URTEIL nachdenken und nicht einfach alles für bare Münze nehmen.

Ein frischer Gruss

Ralph Hubacher

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