Viele Ratgeber wollen einem weismachen, dass man den eigenen Traum leben soll. Mehr als Küchentischpsychologie und Binsenwahrheiten kommen dabei selten raus. Ich bin da skeptisch. Darum habe ich mit jemanden gesprochen, der seine Lebensträume konsequent verwirklicht.

Ich treffe Stefan Broder auf der Sonnenterasse einer kleinen Mietswohung im Appenzellerland. Es ist Hochsommer. Seit wenigen Monaten ist er wieder zurück in der Schweiz, nachdem er mit seiner Frau, den 2 Kindern und Labradorhündin Emma 500 Tage durch Nord- und Mittelamerika gereist ist.

Die Kinder toben sich im Planschbenken aus während wir mit einer Tasse Kaffee in den Schatten flüchten. Wir genissen gemeinsam das Bergpanorama. Ein Wolkenfeld zieht am Säntis vorbei. “Warum ist es wichtig, die eigenen Lebensträume konsequent zu verwirklichen?”, will ich von Stefan wissen. Nach einer Pause des Schweigens dreht er seinen Kopf zu mir herüber und beginnt zu erzählen.

„Es war noch früh am Morgen als ich mit Emma – unserem Hund – den allmorgendlichen Spaziergang unternahm. Die Sonne war schon längst über dem Vorort einer mexikanischen Kleinstadt aufgegangen. Trotzdem war es noch angenehm kühl. Nach einem längeren Spaziergang durch die engen Gassen begann mein Magen zu knurren und ich suchte nach einer eleganten Abkürzung zurück zum Wohnmobil. So schritt ich quer durch einen grossen Park mit alten knorrigen Bäumen in der Hoffnung am anderen Ende einen Ausgang zu finden. Etwas orientierungslos begann ich mich im Park genauer umzuschauen und bemerkte dabei, dass ich mich auf einem Friedhof befand. Ich betrachtete die Gräber etwas genauer und begann die Namen der Toten zu lesen. Dabei fiel mir rasch ins Auge, dass viele Menschen in diesem Ort in jungen Jahren verstorben waren. Kaum einer wurde älter als 30 Jahre. Ich war schockiert. Gab es hier ein Unglück? Warum so viele junge Menschen? Vorsichtig näherte ich mich einer älteren Dame, die bei einem Grab kniete um neue Blumen zu pflanzen. „Ist das hier ein Friedhof für Kinder und junge Menschen?“ fragte ich in gebrochenem Spanisch. Die Frau erhob sich behäbig und lächelte mich an. „Nein. Bei uns im Ort zählen nur die Jahre als Lebensjahre, in denen der Tote auch wirklich glücklich und erfüllt gelebt hat“, gab sie mir  zu verstehen.

Stefan schwieg und ich schluckte leer. Auf der Heimfahrt gab es viel zu überdenken:

  • Wie alt wäre ich jetzt gemessen an meinen erfüllten Lebensjahren?
  • Was würde passieren, wenn die Menschen sich an der Qualität der Lebensjahre anstelle der Quantität orientieren würden?
  • Woran würde ich erkennen, dass ich jetzt gerade ein erfülltes Leben führe?

Das war übrigens nicht das erste Gespräch mit Stefan. Im Inspiring Podcast Interview erzählt er noch so einiges mehr.

Ein frischer Gruss

Ralph Hubacher

 

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